Steinigung in Kunduz PDF Drucken E-Mail
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Taliban steinigen in Kunduz eine Frau und einen Mann

Die Taliban haben eine Frau und einen Mann, die heiraten wollten, gesteinigt. Per Video war die Steinigung in den Medien zu sehen.

Nach wie vor werden Frauen in von den Taliban besetzten Gebieten gesteinigt, falls sie unerlaubt mit einem fremden Mann näher in Kontakt kommen oder Ehebruch begehen.

Aus Herat, wo die Regierung die Kontrolle hat, wurde kürzlich berichtet, dass eine Frau von mehreren Männern vergewaltigt worden ist. Die örtliche Behörde ist nicht in der Lage, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Noch heute werden in Afghanistan die Mädchen früh verheiratet. Meist ist finanzielle Not ausschlaggebend – den Eltern fehlen die Mittel, um eine große Familie zu ernähren. Außerdem wird es für Mädchen in zunehmendem Alter schwieriger, einen Mann zu finden. Gründe werden gesucht, weshalb das Mädchen noch nicht verheiratet ist – unglaubliche Gerüchte machen die Runde und schädigen unwiederbringlich den Ruf des Mädchens. In den meisten Fälle wählen die Eltern die künftigen Frauen für ihre Söhne. Zahlreiche Selbst-Verbrennungen sind ein Indiz dafür, dass manche Frau lieber sterben als zwangsverheiratet werden will.

Betrachtet man die Lage der Frauen in Afghanistan in der Öffentlichkeit, so stellt man fest, dass manche immerhin in den Großstädten Ämter bekleiden. Zunehmend sind Frauen auch im Parlament vertreten. Wobei zu beachten ist, dass die Frauen zum einen weniger Möglichkeiten hatten, überhaupt zur Schule zu gehen beziehungsweise höhere Schulen zu besuchen (z. B. während der Herrschaft der Taliban in Afghanistan). Zum anderen haben die Frauen für viele Afghanen noch immer die Mutter-Rolle inne. Demnach ist es Aufgabe der Frauen, fürs Wohl der Familie zu sorgen – wie es Aufgabe des Mannes ist, für den Unterhalt der Familie aufzukommen.

Mangelnde medizinische Einrichtungen verschlechtern die Lage der Frauen zusätzlich.

Religiös betrachtet verbietet der Islam keineswegs die Bildung der Frau, im Gegenteil. Jeder Muslim ist verpflichtet, nach Bildung zu trachten. In Afghanistan stellt man wie in vielen Entwicklungsländern fest, dass stets die Schwächeren die Träger von Lasten sind und Opfer von Ungerechtigkeiten werden.
Es wird wahrscheinlich lange dauern, bis sich die Situation der Schwachen, insbesondere die der Frauen, verbessert. Die Rechte der Frauen sind in der afghanischen Verfassung zwar festgelegt. Wenn aber der Staatsapparat und seine Mitglieder die Verfassung nicht achten, werden die Frauen auf lange Zeit der Willkür ausgeliefert bleiben.

 

F.A. Kabul, den 03. 02. 2011